Digitalisierung in der Produktion als Weg zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und langfristigem Unternehmenserfolg.

Digitalisierung: Geldverschwendung oder echter Wettbewerbsvorteil?

Willkommen zu einer kritischen Diskussion über die Digitalisierung in der Fertigungsindustrie. In einer Ära, die von rasanten technologischen Fortschritten geprägt ist, ringen viele Unternehmen mit einer grundlegenden Frage: Ist die Investition in die Digitalisierung lediglich ein Fass ohne Boden, oder ist sie ein echter Weg zu nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen?

Philip Privalov

Lesedauer: 6 Min.

Branchentrend

Hält die Digitalisierung, was sie verspricht?

Die kurze Antwort lautet: Ja, das kann sie. Erkenntnisse aus der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) deuten darauf hin, dass Unternehmen, die in digitale Technologien investieren, oft einen positiven Return on Investment (ROI) erzielen. Laut einer IDC-Studie sollen die Investitionen in Informations- und Kommunikationstechnologie in der DACH-Region im Jahr 2023 um 4,9 % steigen, wobei in den Folgejahren weitere Zuwächse erwartet werden. In der EMEA-Region im Zeitraum 2024–2028 wachsen die Ausgaben für die digitale Transformation (DX) durchschnittlich, um 15,8 % pro Jahr. Dieser Trend zeigt ein starkes Engagement für die digitale Transformation, selbst inmitten wirtschaftlicher Unsicherheiten, da Unternehmen ihre Bedeutung für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit erkennen.

Die Digitalisierung sollte nicht Selbstzweck sein oder nur verfolgt werden, weil das Management ein Budget zugewiesen hat. Der Schlüssel liegt in der strategischen Umsetzung; sie ist ein leistungsstarkes Instrument zur Sicherung des langfristigen Unternehmenserfolgs und muss sinnvoll eingesetzt werden.

Über den ROI hinaus begegnet die Digitalisierung mehreren drängenden Herausforderungen:

  • Energie- und Kosteneffizienz: Angesichts steigender Energiekosten konzentrieren sich Unternehmen zunehmend auf die Reduzierung des Energieverbrauchs und die Steigerung der Energieeffizienz. Digitale Lösungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Erreichung dieser Ziele.
  • Wirtschaftliche Anpassungsfähigkeit: Digitale Technologien erhöhen die Effizienz und Flexibilität von Produktionsprozessen, minimieren Ausfallzeiten und stärken die Wettbewerbsfähigkeit. Diese Anpassungsfähigkeit ist in einem sich ständig wandelnden Marktumfeld von entscheidender Bedeutung.

Letztendlich zahlen sich Investitionen in die Digitalisierung weiterhin aus und sind unerlässlich, um einen Wettbewerbsvorteil zu sichern.

Wo sollte Ihr Unternehmen heute stehen?

Um zu verstehen, wo ein Unternehmen idealerweise auf seinem Digitalisierungsweg stehen sollte, ist es hilfreich, die Automatisierungspyramide zu betrachten, die die Architektur von Hardware- und IT-Systemen veranschaulicht.

An der Spitze steht die IT (Informationstechnologie), die traditionelle Computer und Software umfasst. Am unteren Ende befindet sich die OT (Operational Technology), welche die Hardware und Maschinen beinhaltet, die für die physischen Prozesse zuständig sind – dort, wo die eigentliche Arbeit; Schweißen, Schraubens und Bohrens stattfindet. Der entscheidende Punkt ist die nahtlose Integration von OT und IT.
 

Zentrale Systeme wie ERP (Enterprise Resource Planning), MOM (Manufacturing Operations Management) und PLM (Product Lifecycle Management) bilden die Spitze dieser integrierten Struktur. Diese Systeme verschmelzen zunehmend ihre Grenzen, was die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Integration unterstreicht.

Heute sollten Unternehmen ihre Kernprozesse, einschließlich Bestandsverwaltung, Auftragsabwicklung, Logistik, Finanzen, Personalwesen und Beschaffung, bereits digitalisiert haben. Darunter sind MES (Manufacturing Execution Systems) entscheidend für die Datenerfassung, Analyse, den Workflow und das Ressourcenmanagement.

Die Daten aus dem MES müssen den Shopfloor erreichen. Dazu gehören nicht nur Auftragsdaten, sondern auch Prozessdaten wie Messwerte und Prozessverriegelungen. Beispielsweise sollten Teile nicht vollständig montiert werden, wenn sie nicht alle notwendigen Prozessschritte durchlaufen haben, insbesondere wenn diese Schritte visuell nicht erkennbar sind (z. B. Trocknungszeiten für Klebstoffe, thermische Prozesse).
 

Der wichtigste Aspekt ist, dass alle Systeme miteinander vernetzt und aktiv genutzt werden

Was man nicht tun sollte: Häufige Fallstricke bei der Digitalisierung

Obwohl die Digitalisierung immenses Potenzial bietet, tappen viele Unternehmen in häufige Fallen, die ihre Investitionen eher zu einem „Millionengrab“ als zu einem Wettbewerbsvorteil machen. Wenn einer dieser Punkte auf Ihr Unternehmen zutrifft, ist sofortiges Handeln geboten:

  • Unverbundene Systeme: Ein häufiges Problem ist die Implementierung zahlreicher Systeme, die entweder nicht vernetzt oder unzureichend miteinander verbunden sind. Unterschiedliche Systeme, die nicht kommunizieren, führen zu Datensilos und Ineffizienzen. Wenn Sie solche Systeme in Ihrem Unternehmen feststellen, sollte die Behebung dieser Integrationslücke oberste Priorität haben.
  • Inkonsistente Datenanalyse: Direkt aus unverbundenen Systemen resultiert eine inkonsistente Datenanalyse, was bedeutet, dass wertvolle Daten, insbesondere aus Produktionssicht, nicht in einem nutzbaren Format sichtbar gemacht werden. Lange, unverständliche Listen oder Grafiken werden oft nicht gelesen. Wenn Sie bereits Daten sammeln, stellen Sie sicher, dass Sie ihren Wert daraus ziehen. Beziehen Sie alle Stakeholder ein, um Daten handlungsrelevant zu machen.
  • Unterschätzte Mitarbeiterschulung: Die Vernachlässigung der Mitarbeiterschulung, insbesondere bei der Einführung neuer Produkte, führt oft dazu, dass Tools unzureichend oder falsch genutzt werden. Dies kann dazu führen, dass Mitarbeiter neue Systeme ablehnen und zu alten Arbeitsweisen zurückkehren, wodurch die Investition praktisch zunichtegemacht wird. Ein grundlegender „Bottom-up“-Schulungsansatz ist gut, um sicherzustellen, dass Werkzeuge effektiv angenommen und genutzt werden; noch besser ist es, alle Stakeholder von Anfang an aktiv einzubeziehen.
  • Vernachlässigte Cybersicherheit: Eine Nachlässigkeit, die verheerende Folgen haben kann. Cyberangriffe nehmen weltweit zu, und jedes Unternehmen kann zum Ziel werden. Angreifer sind geschickt darin, selbst geringe Datenmengen gewinnbringend zu nutzen. Es geht nicht nur darum, Server zu verschlüsseln und aus Backups wiederherzustellen, was Zeit und Kosten verursacht. Angreifer identifizieren schnell kritische Daten, wie z. B. Kundenanfragen für unveröffentlichte Produkte, die zur Erpressung genutzt werden können. Solche Daten landen oft im Darknet und werden an den Meistbietenden verkauft. Die Priorisierung der Cybersicherheit ist nicht verhandelbar.
  • Ignorierte Umweltauswirkungen & Nachhaltigkeit: Die Missachtung von Nachhaltigkeit und Umweltauswirkungen kann zu regulatorischen Strafen, Reputationsschäden für ein Unternehmen und einer Untergrabung der Wettbewerbsfähigkeit führen. Das proaktive Eingehen auf regulatorische Anforderungen, insbesondere in Bezug auf die CO2-Emissionen pro Teil, kann mittelfristig erhebliche Vorteile bieten. Unternehmen, die es versäumen, diese Aspekte zu managen, riskieren, bei Einkaufsabteilungen unbeliebt zu werden.

 

Wenn einer oder mehrere dieser Punkte auf Ihr Unternehmen zutreffen, ist proaktives Handeln dringend anzuraten.

Was kommt als Nächstes? Zukünftige Herausforderungen meistern

Mit Blick auf die Zukunft erfordern mehrere Schlüsselbereiche Aufmerksamkeit, um einen nachhaltigen digitalen Erfolg zu gewährleisten:

  • Kontinuierliche Schulung und Werkzeug-Nutzung: Viele digitale Werkzeuge werden trotz ihres Potenzials untergenutzt oder falsch eingesetzt. Der Ratschlag ist einfach, aber entscheidend: Schulen, schulen, schulen. Stellen Sie sicher, dass digitale Tools aktiv genutzt werden. Wenn ein Tool nicht benutzt wird, könnte dies ein Bereich sein, in dem Ressourcen umverteilt werden können (Ein unschöner Tipp für IT-Manager: Schalten Sie es einfach ab und warten Sie, bis sich jemand beschwert).
  • Nachhaltigkeit und umweltfreundliche Produktion: Die Reduzierung von Abfall und die Verbesserung der Energieeffizienz (z. B. CO2 pro Teil) sind von größter Bedeutung. Diese Bemühungen differenzieren Unternehmen, insbesondere im Wettbewerb mit Produzenten in Asien.
  • KI (Künstliche Intelligenz) und ML (Maschinelles Lernen): KI und ML sind transformative Werkzeuge, aber sie erfordern eine Voraussetzung: Um KI/ML effektiv für Anwendungen wie vorausschauende Wartung oder KI-gestützte Entscheidungsfindung zu nutzen, benötigen Unternehmen gut kontextualisierte Daten von Maschinen und die Fähigkeit, Ergebnisse wieder in die Produktion einzuspeisen.
  • Flexible Fertigungssysteme: Um mit kürzeren Produktlebenszyklen, häufigen Typänderungen und schwankenden Marktanforderungen fertig zu werden, sind flexible Fertigungssysteme die einzig tragfähige Lösung.

Nächste Schritte für Ihre digitale Reise

Wenn Sie Ihr Verständnis vertiefen oder Ihre digitale Implementierung strategisch planen möchten, bietet STIWA Software an:

  • Produkt-Deep-Dives: Für einen detaillierten Einblick in spezifische Lösungen.
  • Schulungen und Workshops: Um Prozesswissen aufzubauen und Ihre Teams zu stärken.
  • Kostenlose Beratungen: Für Webinar-Teilnehmer verfügbar, die erste Einblicke, Prozesswissen und Strategien zur digitalen Implementierung umfassen.
  • Demo-System: Ein Live-Demo-System steht zwei Wochen lang zur Verfügung, um es aus erster Hand zu erkunden.

Digitalisierung ist keine Wahl, sondern eine Notwendigkeit für das Überleben und Wachstum im Wettbewerb. Indem Unternehmen die Fallstricke angehen und fortschrittliche Lösungen strategisch implementieren, können sie die Wettbewerbsvorteile, die sie bietet, wirklich freisetzen. Dieser Artikel, inspiriert durch ein Webinar aus dem Jahr 2024 (siehe unten), beleuchtet dieses Dilemma und bietet Einblicke, zu vermeidende Fallstricke und praktische Empfehlungen für Industrieunternehmen.

Webinar

Digitalisierung: Millionengrab oder echter Wettbewerbsvorteil?

Erfahre, was sie gemacht haben sollten, was andere machen und was als Nächstes kommt. Sehen Sie, wie führende Unternehmen ihre Effizienz steigern.

Zugang Aufzeichnung

Laufzeit: 22:15 Min.

Sprache: Deutsch | Experte: Philip Privalov | Datum: Aufzeichnung Aufzeichnung

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