Europäische Cloud-Alternativen: Souveränität als Standard

Die Cloud ist das Rückgrat moderner Geschäftsmodelle.

Philip Privalov | Johannes Nöbauer, MSc

Lesedauer: 5 Min.

Industry Trend

Die Cloud ist das Rückgrat moderner Geschäftsmodelle. Doch für viele europäische Unternehmen, besonders im Mittelstand und produzierenden Gewerbe, standen dem Nutzen globaler Hyperscaler stets datenschutzrechtliche Bedenken und Fragen der digitalen Souveränität gegenüber, befeuert durch den US CLOUD Act. Die großen Cloud-Anbieter wie Microsoft, AWS und Google haben erkannt, dass der Ruf nach digitaler Souveränität nicht verstummt. Sie reagieren mit "Sovereign Cloud"-Initiativen, die Datenresidenz ausschließlich in der EU, lokale Betriebsmodelle und vertragliche Zusicherungen gegen externe Zugriffe bieten.

Doch lösen diese Ansätze wirklich alle Bedenken? Oder gibt es nach wie vor triftige Gründe, auf rein europäische Anbieter zu setzen oder gar eine hybride Strategie zu verfolgen? Der folgende Artikel beleuchtet die Landschaft der europäischen Cloud-Alternativen und hilft dabei, die richtige Entscheidung für dein Unternehmen zu treffen.

Wer braucht eine Sovereign Cloud und welche Branchen sind betroffen?

Jede Organisation, die mit sensiblen, regulierten oder geschäftskritischen Daten arbeitet, sollte eine Sovereign Cloud-Strategie prüfen. Es geht darum, "Welche Cloud für welche Daten?".

Der Bedarf ergibt sich meist aus folgenden Gründen:

  • Gesetzliche und regulatorische Anforderungen: Klare Vorgaben zu Datenspeicherung und -Verarbeitung (z.B. DSGVO).
  • Kunden- und Vertrauensanforderungen: Nachweis von Datenhoheit für Kunden und Partner. 
  • Risikomanagement: Reduzierung der Abhängigkeit von außereuropäischen Rechtsordnungen und deren potenziellen politischen oder wirtschaftlichen Einflüssen. 

Welche Branchen und Sektoren könnten betroffen sein:

  • Öffentlicher Sektor & Verwaltung: Hohe Anforderungen an Datenschutz und nationale Sicherheit.
  • Verteidigung: Klassifizierte Informationen, strategische Daten und sicherheitsrelevante Anwendungen.
  • Gesundheitswesen: Hochsensible Patientendaten.
  • Energie- und Versorgungswirtschaft (Kritische Infrastruktur): Besondere Sicherheitsanforderungen.

Sollte bei dir kein Bedarf aufgrund von Regulatorik oder Kundenvorgaben geben, gibt es tatsächlich wenige Gründe, die oft höheren Kosten einer spezialisierten Sovereign Cloud zu tragen.

Eine Sovereign Cloud ist eine strategische Entscheidung, keine rein technische. Ein hybrider Ansatz, bei dem unkritische Workloads in einer globalen Cloud laufen und sensible Daten in einer souveränen Umgebung geschützt werden, kann der Königsweg sein.

Cloud-Anbieter im Überblick

Die Wahl des richtigen Cloud-Anbieters ist eine strategische und technische Entscheidung. Die Tabelle vergleicht europäische und souveräne Cloud-Optionen anhand von Kriterien, die für produzierende Unternehmen relevant sind.

¹ EU-Souverän (Rechtlich): Dateninfrastruktur und Betreiber unterliegen EU-Recht. US-Hyperscaler nutzen Treuhänder- oder Separatmodelle.
² Umfassendes PaaS-Portfolio: Verfügbarkeit von verwalteten Diensten (z.B. Datenbanken, Kubernetes).
³ Integrierte KI/ML-Dienste: Fertige Services für Machine Learning und KI.
Hybrid- & Edge-Fähig: Unterstützung von verteilten Workloads zwischen On-Premises, Edge und Cloud.

Was können die Europäischen Cloud-Alternativen von Schwarz, Hetzner oder Exoscale heute schon?

Rein europäische Cloud-Anbieter sind keine 1:1-Kopien der Hyperscaler. Sie konzentrieren sich aktuell auf das Fundament.

Fokus und Stärken europäischer Anbieter:

  • Kerninfrastruktur (IaaS): Performante und preislich attraktive virtuelle Maschinen, Netzwerke und Speicher von Anbietern wie Hetzner, Schwarz IT oder Exoscale.
  • Container-Plattformen (CaaS): Hervorragende verwaltete Kubernetes-Dienste. Anwendungen in Docker-Containern lassen sich auf diesen souveränen Plattformen reibungslos betreiben, was Flexibilität und Unabhängigkeit schafft.
  • Fokussierte PaaS-Angebote: Etablierte Dienste für Standardanwendungen wie verwaltete Datenbanken (PostgreSQL, MySQL) oder Load Balancer.

Der Unterschied zum klassischen Hyperscaler:

Der Hauptunterschied liegt im Service-Portfolio. Während Hyperscaler, wie AWS, Azure oder Google, tausende hochspezialisierter Services bieten, konzentrieren sich europäische Anbieter auf Kernbausteine. 

Du findest dort seltener: 

  • riesige Marktplätze für SaaS-Lösungen
  • hochspezialisierte KI/ML-Dienste
  • Komplexe Big-Data-Analyseplattformen als fertigen Service. 
  • Dies erfordert mehr Eigenleistung, bietet aber auch mehr Kontrolle.

Wie steige ich als mittelständischer Produzent ein?

Als deutscher Mittelständler, besonders im produzierenden Gewerbe, erfordert der Weg in eine europäische Cloud einen pragmatischen Ansatz:

  1. Klare Bedarfsanalyse:
    • Daten-Inventur: Welche Daten (Produktionspläne, CAD, Kundendaten) sind kritisch?
    • Anwendungs-Check: Welche Systeme (ERP, MES, IoT, Archiv) sollen in die Cloud?
    • Compliance-Anforderungen: Neben DSGVO auch TISAX, ISO 27001 etc.
    • Wirtschaftlichkeitsbetrachtung (TCO & ROI): Welche kurz- und langfristigen Kosten entstehen (Lizenzgebühren, Migration, Schulung) und welcher Nutzen wird erzielt (Einsparungen bei Hardware, höhere Flexibilität, schnellere Innovation)?
  2. Pilotprojekt starten:
    • Wähle einen überschaubaren Anwendungsfall (z.B. IoT-Projekt, Testsystem-Migration oder Datenarchivierung).
    • Sammle Erfahrungen und verstehe technische sowie organisatorische Abläufe.
  3. Expertise nutzen:
    • Interne IT ist oft ausgelastet. Externe Spezialisten mit Branchenkenntnis sind entscheidend.
    • Sie helfen bei Anforderungsdefinition, Anbieterauswahl und Integration in bestehende Systeme (SAP, Steuerungstechnik).

So könnte Ihr Projekt aussehen: KI-Einstieg in der Produktion mit hybrider Cloud

Ein produzierendes Unternehmen am Anfang seiner Digitalisierungsreise wollte das Potenzial von KI erschließen. Das Ziel: Anlagendokumente im Fehlerfall schnell durchsuchen und Maschinendaten mit Machine Learning analysieren. Hier wurde ein hybrider Ansatz gewählt: Die umfassenden Anlagendokumente verbleiben lokal beim Kunden. Nur die Anfragen an das Large Language Model (LLM) werden an eine Cloud-Infrastruktur gesendet, um dort die KI-Verarbeitung durchzuführen. Ebenfalls die sensiblen Produktions- und Qualitätsdaten bleiben im STIWA Shopfloor System ebenfalls lokal. Lediglich für die gezielte ML-Berechnung werden ausgewählte, anonymisierte Daten an eine von Dataciders bereitgestellte Infrastruktur übermittelt. Dieser Ansatz sichert maximale Datenhoheit, während gleichzeitig die Flexibilität erhalten bleibt, Cloud-Anbieter oder ML-Modelle jederzeit an veränderte Anforderungen anzupassen.

Fazit: Strategie vor Pauschallösung – Souveränität als Differenzierungsmerkmal

Die meisten Hyperscaler haben ihre "Hausaufgaben" gemacht und bieten praktikable Sovereign-Lösungen. Doch die Annahme, eine Sovereign Cloud lohne sich nur für streng Regulierte, greift zu kurz. Kosten können höher sein, doch die Entscheidung muss im Geschäftskontext gesehen werden:

  • Verschlüsselung allein ist keine Lösung für Souveränität: Sie schützt Daten, aber nicht vor dem Zugriff durch ausländische Jurisdiktionen. Souveränität adressiert genau diese rechtliche Zugriffsmöglichkeit.
  • Der Wert von geistigem Eigentum: Viele Unternehmen haben wertvolles IP. Dessen Schutz vor unberechtigtem Zugriff kann die Kosten einer Sovereign Cloud bei Weitem überwiegen.
  • Kundenvertrauen und Wettbewerbsvorteil: Eine transparente Kommunikation über datensouveräne Lösungen kann ein entscheidender Vertrauensfaktor und Wettbewerbsvorteil sein.
  • Es geht darum, eine passgenaue Cloud-Strategie zu entwickeln, die das richtige Maß an Souveränität für die jeweiligen Daten und Anwendungen bietet. Ein hybrider Ansatz ist oft der Königsweg.

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Für eine zielgerichtete Strategie und die sichere Umsetzung deines Weges zur Smart-Factory stehen dir STIWA Software und Dataciders als erfahrene Partner zur Seite. Wir unterstützen dich von der Analyse bis zur Integration, maßgeschneidert für die Herausforderungen deines Unternehmens, von der Datenerfassung bis zur intelligenten Analyse und Steuerung.

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um uns zu kontaktieren?

Kontaktiere STIWA Software, wenn es um die Implementierung, Anpassung oder Optimierung von STIWA Softwareprodukten geht.

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Philip Privalov
STIWA Software: Teamleitung Business Development

Kontaktiere Dataciders, wenn dein Fokus auf Datenanalyse, Machine Learning (ML) oder Künstlicher Intelligenz (KI) liegt.

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Johannes Nöbauer
Dataciders: CEO Österreich

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