Wichtige Kennzahlen (KPIs) moderner Fertigung: EU, EA, PE und QR.

OEE berechnen und Fertigungsleistung verbessern

Lerne, wie du OEE, Anlagenverfügbarkeit, Leistungsgrad, Qualitätsrate, Anlagennutzungsgrad (EU) und TEEP mit praktischen Beispielen berechnest und auswertest.

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Lesedauer: 6 Min.

Fortbildung | Best Practice

Einleitung

Einer der aussagekräftigsten Kennzahlen zur Beurteilung der aktuellen Performance deiner Anlagen ist die Gesamtanlageneffektivität (OEE – Overall Equipment Effectiveness). Die OEE ist eine standardisierte Kennzahl, definiert in der VDI 3423 (Verein Deutscher Ingenieure), und bietet eine umfassende Sicht darauf, wie gut dein Fertigungsbetrieb läuft. Sie identifiziert verborgene Verluste und Verbesserungspotenziale.

Aber wie genau wird die OEE berechnet, und, noch wichtiger, wie kannst du diese Informationen nutzen, um echte Veränderungen voranzutreiben? Schauen wir es uns an.

Was ist OEE? Das Fundament der Fertigungseffizienz

Im Kern ist die Gesamtanlageneffektivität (OEE) eine Kennzahl, die angibt, wie effizient eine Maschine als Ganzes arbeitet. Es geht nicht nur darum, wie viele Einheiten du produzierst, sondern wie viele gute Einheiten du so schnell wie möglich und ohne ungeplante Stopps produzierst.

Die OEE ist das Produkt aus drei entscheidenden Key Performance Indicators (KPIs):
Durch die Aufschlüsselung deiner Betriebsleistung in diese drei Komponenten hilft die OEE, genau zu bestimmen, wo deine Verluste auftreten – sei es durch Stillstandzeiten, langsame Produktion oder Qualitätsprobleme.

Die drei entscheidenden Säulen der Gesamtanlageneffektivität

Schauen wir uns jede Komponente im Detail an:

1. Anlagenverfügbarkeit (EA): Maschinenlaufzeit optimieren

Die Anlagenverfügbarkeit (EA) beschreibt das Verhältnis von Produktiver Zeit zu Nutzungszeit. Einfach ausgedrückt, sagt sie dir, ob die Maschine läuft und Teile produziert oder stillsteht. Eine hohe EA bedeutet, dass deine Maschine zur Produktion bereitsteht, wenn sie soll.

Berechnung:

  • Nutzungszeit (TB): Dies ist der Zeitraum, für den die Produktion geplant war.
  • Produktionszeit (TN): Dies ist die Zeit, in der die Maschine tatsächlich produziert, nach Abzug von technischen Stillständen, organisatorischen Stillständen und Rüstzeiten von der Nutzungszeit.

Häufige Verluste, die die EA beeinflussen, sind:

  • Technische Stillstände (TT): Ausfallzeiten aufgrund von Maschinenausfällen oder technischen Defekten.
  • Organisatorische Stillstände (TO): Ausfallzeiten aufgrund von Faktoren wie fehlenden Aufträgen, fehlenden Teilen oder mangelndem Werkzeug.
  • Rüstzeit / Umrüstzeit (TR): Die Zeit, die für die Vorbereitung der Maschine auf ein neues Produkt benötigt wird, vom letzten Gutteil des alten Auftrags bis zum ersten Gutteil des neuen Auftrags.

 

 

2. Leistungsgrad (PE): Geschwindigkeit und Zykluszeiten

Der Leistungsgrad (PE) misst die Geschwindigkeit, mit der die Maschine im Vergleich zu ihrer idealen oder spezifizierten Zykluszeit arbeitet. Er ist das Verhältnis von Produktiver Betriebszeit zu Produktiver Zeit und quantifiziert Verluste, die durch erhöhte Zykluszeiten entstehen. Wenn deine Maschine langsamer als ihre Zielgeschwindigkeit läuft, sinkt dein PE-Wert.

Berechnung:

Verluste, die den PE beeinflussen, umfassen typischerweise:

  • Reduzierte Produktionsgeschwindigkeit: Fälle, in denen die Maschine läuft, aber langsamer als ihr theoretisches Maximum.

 

 

3. Qualitätsrate (QR): Fokus auf Gutteile-Produktion

Die Qualitätsrate (QR) konzentriert sich auf den Output an Gutteilen (OK) im Vergleich zur gesamten produzierten Stückzahl. Diese Kennzahl hebt Verluste hervor, die durch fehlerhafte Produkte entstehen, die nachgearbeitet werden müssen oder komplett Ausschuss sind.

Berechnung:

Die Hauptfaktoren, die die QR beeinflussen, sind:

  • Ausschussverluste: Die Anzahl der nicht konformen Teile (NOK-Teile), die die Qualitätsstandards nicht erfüllen.
  • Nachbearbeitete Teile: Die Anzahl der Teile, die nachgearbeitet werden mussten, unabhängig davon, ob die Maschine eine automatisierte Nachbearbeitungsroutine oder eine manuelle Nachbearbeitungs- oder Analysestation hat.

 

Alles zusammen: Ein praktisches Berechnungsbeispiel

Um die Berechnungen besser zu verstehen, verwenden wir eine automatisierte Montagestation, die alle 90 Sekunden ein Teil produziert.

Annahmen:

  • Zielzykluszeit: 1,5 Minuten (90 Sekunden)
  • Teile pro Zyklus: 1
  • Produzierte Teile: 420 Stück
  • NOK-Teile / Ausschuss: 6 Stück
  • Beobachtungszeitraum (TGes): 24 Stunden = 1.440 Minuten
  • Ungeplante Zeit (z.B. 3. Schicht): 480 Minuten
  • Pausenzeit: 60 Minuten (2 x 30 Minuten während 2 Schichten)
  • Rüstzeit / Umrüstzeit (TR): 70 Minuten
  • Ungeplante Stillstände (TT, TO): 80 Minuten
  • Leerlaufzeit / Reduzierte Produktionsgeschwindigkeit: 70 Minuten

Schritt 1: Berechnung der Hauptzeitkomponenten:

  • Nutzungszeit (TB): TGes - Ungeplante Zeit - Pausenzeit
    1.440 min - 480 min - 60 min = 900 min
  • Produktionszeit (TN): TB - Rüstzeit - Ungeplante Stillstände
    900 min - 70 min - 80 min = 750 min
  • Produktive Betriebszeit: TN - Leerlaufzeit / Reduzierte Produktionsgeschwindigkeit
    750 min - 70 min = 680 min
  • Netto-Produktionszeit: Produktive Betriebszeit - (NOK-Teile × Zielzykluszeit)
    680 min - (6 Stück × 1,5 min/Stück) = 680 min - 9 min = 671 min

Schritt 2: Berechnung jeder OEE-Komponente

  • Anlagenverfügbarkeit (EA): TN / TB
    750 min / 900 min = 0,833 = 83,3%
  • Leistungsgrad (PE): (Zielzykluszeit × Produzierte Teile) / (Teile pro Zyklus × Produktionszeit)
    (1,5 min/Stück × 420 Stück) / (1 Stück/Zyklus × 750 min) = 630 / 750 = 0,840 = 84,0%
  • Qualitätsrate (QR): (Produzierte Teile - NOK-Teile) / Produzierte Teile
    (420 Stück - 6 Stück) / 420 Stück = 414 / 420 = 0,986 = 98,6%

 

Schritt 3: Berechnung der OEE

  • OEE = EA × PE × QR
    83,3% × 84,0% × 98,6% = 0,833 × 0,840 × 0,986 = 0,690 = 69,0%

Über die OEE hinaus: Anlagennutzungsgrad (EU) und TEEP

Während die OEE die Effizienz während der geplanten Produktionszeit beleuchtet, bieten zwei weitere wichtige KPIs eine noch breitere Perspektive:

Anlagennutzungsgrad (EU): Die Planungs-KPI im Detail

 

Der Anlagennutzungsgrad (EU) beschreibt die prozentuale Nutzung der Maschine innerhalb des gesamten Beobachtungszeitraums. Er wird oft als „Planungs-KPI“ betrachtet und gibt an, wie viel die Maschine sollte produzieren.

Berechnung:

Beispielrechnung:
EU = 900 min / 1.440 min = 0,625 = 62,5%

 

Total Effective Equipment Productivity (TEEP): Gesamte Produktivität

TEEP ist das ultimative Maß für die Produktivität und kombiniert OEE mit dem Anlagennutzungsgrad. Es berücksichtigt die gesamte verfügbare Zeit, einschließlich Perioden, in denen keine Produktion geplant war.

Berechnung:
TEEP = OEE × EU

Ein niedriger Wert für OEE oder EU wirkt sich negativ auf TEEP aus und vermittelt dir ein vollständiges Bild der Gesamtproduktivität.

 

Beispielrechnung:
TEEP = 69,0% × 62,5% = 0,690 × 0,625 = 0,431 = 43,1%

OEE-Daten optimal nutzen: Erkenntnisse in Taten umsetzen

Die Berechnung der OEE und ihrer verwandten KPIs ist nur der erste Schritt. Der eigentliche Wert liegt in der Interpretation dieser Zahlen und deren Nutzung, um kontinuierliche Verbesserungen voranzutreiben.
 

  1. Engpässe identifizieren: Ein niedriger OEE-Wert oder eine besonders niedrige Komponente (EA, PE oder QR) zeigt sofort Bereiche auf, die Aufmerksamkeit erfordern. Ist die EA niedrig, konzentriere dich auf die Reduzierung von Stillstandzeiten durch bessere Wartung oder Betriebsplanung. Ist der PE niedrig, untersuche Zykluszeitverluste und Optimierungsmöglichkeiten. Ist die QR niedrig, investiere in Qualitätskontrolle und Prozessverbesserungen.
  2. Verluste quantifizieren: Die OEE bietet eine klare, datengestützte Möglichkeit, zu quantifizieren, wie viel Produktionskapazität aufgrund verschiedener Faktoren verloren geht. Dies ermöglicht evidenzbasierte Entscheidungen, anstatt sich auf Vermutungen zu verlassen.
  3. Verbesserungen priorisieren: Indem du den Einfluss jeder Verlustart auf deine OEE verstehst, kannst du Verbesserungsinitiativen priorisieren, die den größten Ertrag bringen. Zum Beispiel kann die Reduzierung einer großen Stillstandsquelle eine signifikantere Auswirkung haben als eine geringfügige Geschwindigkeitsoptimierung.
  4. Performance benchmarken: Die OEE ermöglicht es dir, deine Performance mit Industriestandards oder deinen eigenen historischen Daten zu vergleichen und realistische Ziele für Verbesserungen zu setzen.
  5. Eine Kultur der Verbesserung fördern: Die regelmäßige OEE-Verfolgung ermutigt Teams, Probleme zu identifizieren und zu lösen, wodurch eine Kultur der operativen Exzellenz und kontinuierlichen Verbesserung gefördert wird.

 

OEE ist mehr als nur eine Kennzahl; es ist ein leistungsstarkes Diagnosewerkzeug, das Rohproduktionsdaten in umsetzbare Erkenntnisse umwandelt. Durch die korrekte Berechnung und konsequente Analyse von OEE, EU und TEEP können Hersteller erhebliche Produktivitätssteigerungen erzielen, Kosten senken und operative Exzellenz erreichen.

Investieren Sie in Transparenz. Der „Proof of Value“ liefert eine vollständige Aufschlüsselung der Gesamtanlageneffektivität (OEE) sowie konkrete Optimierungsmöglichkeiten – damit Sie genau wissen, worauf Sie sich konzentrieren müssen, um maximale Wirkung zu erzielen.

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